St. Josef Kapelle oder unser "Heiligenhäuschen"
Erinnerungen zusammengetragen von Theo Häsel, unserem Ehrenbrudermeister.
April 2026
Im Jahr 1997 begannen Überlegungen für das 550. jährige Jubiläum der Kamper Bruderschaft, welches im Jahr 1999 gefeiert werden sollte.
Dazu sammelten wir Ideen, heute nennt man das Brainstorming.
Matthias Bremenkamp hatte die Idee, das Heilgenhäuschen an der Mittelstraße wiederaufzubauen. Dieses Heilgenhäuschen gab es vorher schon, und zwar ist es von der St. Johannes-Nepomuk Bruderschaft 1898 erbaut worden. Es diente als Wegmarke auf dem Weg nach Kloster Kamp und als Fronleichnamsaltar. Im Zuge der Planung zum Bau der B510 stand das Heilgenhäuschen angeblich im Weg, und es wurde deswegen abgerissen mit der Zusage, dass es wieder aufgebaut würde. Dabei blieb es dann. Letztendlich stellte man fest, dass es gar nicht hätte weichen müssen. Nun musste ein Finanzierungsplan erstellt werden. In der Kasse der Bruderschaft war das Geld dafür nicht vorhanden. Wir druckten symbolische Bausteine und verkauften diese bei vielen öffentlichen Veranstaltungen. Auch vom Kamper Pfarrfest bekamen wir eine Spende. Im Laufe der Bauzeit fanden sich auch immer wieder Sponsoren. Doch wir wollten vieles in Eigenleistung machen. Damit hatten wir schon ein Problem. Keiner unserer Bruderschaftsmitglieder war Maurer. Also ging ich auf Suche und fand Theo Wohltmann, Arnold Hölters und Gustav Bendel. Diese waren bereit uns kostenlos zu helfen. Arnold Hölters hatte aber eine Bedingung: Ich musste ihm versprechen, dass er dafür auch in den Himmel kommt. Diese Zusage konnte ich ihm geben. Für die Planung musste eine Bauzeichnung und ein Bauantrag gestellt werden. Dieses übernahm Norbert Wiederstein. Grundlage war dafür ein Foto aus einer Festschrift der St. Johannes-Nepomuk-Bruderschaft. Sehr schnell dabei war dann Heini Bergmann, der ein Modell im Maßstab 1 zu 10 erstellte. Dieses ist heute nicht mehr vorhanden. Über den Verbleib ist mir nichts bekannt. Aber vielleicht erinnert sich ja noch jemand daran. Mit der Baugenehmigung bekamen wir die Auflage uns einen anderen Standort als diesen hier zu suchen, da das Gebäude die Ansicht auf das Kloster behindern würde. Empfohlen wurde uns ein Standort am Anfang der Mittelstraße rechts unten hinter der Bäumen neben einem Pumpenhaus. Das war für uns nicht zumutbar! Nach einigen Verhandlungen mit dem Bauamt genehmigte man uns dann doch diesen Standort hier. Im Sommer 1998 begannen wir mit dem ersten Spatenstich. Hannes Papen mit dem Spaten und ich mit meinem Schlepper mit Frontladerschaufel. Doch nach wenigen Aushüben versanken wir im Torf. Mit großer Mühe konnte ich meinen Schlepper wieder aufs Festland bringen. Hilfe bekamen wir von Gottfried Edelmann, der bei der Firma Holstein beschäftigt war. Er sorgte für eine großräumige Ausschachtung und einen sicheren Unterbau fürs Fundament.
Helmut Schulze bot sich an, das Fundament zu finanzieren. Dann gingen die Maurerarbeiten los und viele Bruderschaftsmitglieder haben als Handlanger geholfen. Attes Ambaum hat eine Wasserleitung und Stromleitung von seinem Haus bis zur Baustelle gelegt. Unsere Frauen sorgten für Verpflegung, die Bereitschaft war aber so groß, dass sie durch einen Plan den Herbert Schmitz erstellte, koordiniert werden musste. Im November 1998 konnte dann der Grundstein gelegt werden. Dieses fand unter großer Anteilnahme der Bruderschaft und mit der Segnung von Pater Georg statt. Danach war Winterpause. Im Frühjahr ging es mit großem Elan weiter. Beim Mauern fängt man an den Ecken an, spannt eine Schnur und mauert daran entlang zur Mitte hin aus. Das funktionierte gut, nur einmal nicht: Da wurden von der einen Seite die Fuge immer dicker und von der anderen immer dünner. Ich habe das Fluchen der beiden Maurer Theo und Arnold noch in den Ohren. Was war passiert: Einer war mit seiner Ecke etwas schneller und hatte die Maurerschnur eine Steinschicht höher befestigt und zur Mitte hin passte es dann nicht mehr. Als der Fehler entdeckt wurde, konnten alle herzhaft darüber lachen.Über die Mithelfenden hat Fritz Spürkmann eine Liste gemacht und in eine leer gewordene Schnapsflasche eingerollt. Diese wurde dann auf dem Gewölbe unter dem Dachstuhl deponiert. Um an diese Flasche zu gelangen, müsste man das Dach abdecken. Schade ist nur, dass keiner diese Liste kopiert hat. Sie war sehr lang.Hier jetzt eine kurze Aufzählung der Gewerke:Gefugt wurde das Mauerwerk von Ernst Schräder vom Schützenverein Gut Ziel den Dachstuhl zimmerte Karl Schmidt, der auch den Richtspruch vornahm. Leider war der beim ersten mal nicht gültig, da nach Zimmermanns Regeln das Schnapsglas nach dem Leeren auf den Boden geworfen und dabei zerbrechen musste. Dieses gelang beim ersten Mal nicht und musste darum wiederholt werden. Die Dacheindeckung machte Arwed Klaus das Baumaterial lieferte die Firma Franken.
Die Klinker wurden von Hännes Franken gestiftet, das Kreuz wurde von Willi Ingenhaag gefertigt. Für den Korpus sind Hännes Franken und Gottfried Edelmann nach Oberammergau gefahren und haben dort einen Korpus mitgebracht. Leider war das Kreuz von Willi Ingenhaag zu groß für den Korpus, und Willi hat dann kurzerhand ein passendes Kreuz gemacht, wie es hier jetzt zu sehen ist. Das erste Kreuz befindet sich in der Abteikirche hinter dem Hochaltar. Um den Einfluß von außen (Vandalissmus und Diebstahl) auf die Einrichtung zu verhindern haben wir durch Reinhard Bengs von der Firma Glasbau Trienes aus Kempen eine Glastür einbauen lassen. Das Gitter vor der Kapelle hat Bruder Konrad aus dem Klosterkeller zur Verfügung gestellt. Die Eingrünung und die Pflasterarbeiten machte Uwe Treeter. Wir waren damals der Meinung, dass dieses Heilgenhäuschen zur Einweihung einen Namen bekommen sollte. Nahe liegend war der Name unserer Bruderschaft. Darum wollten wir ihm den Namen St. Josef-Kapelle geben. Pater Georg machte den Einwand, es müsse einen Hinweis auf den heiligen Josef geben. Daraufhin haben Wilma und ich diese Josefs Statue gestiftet.Am Sonntag, den 06. Juni 1999 konnte die St. Josefs Kapelle im Rahmen unserer 550 Jahrfeier eingeweiht werden. Die Beteiligung der Bruderschaft und der Kamper Bevölkerung war sehr groß. Auch der MGV Concordia Camp trug zum feierlichen Rahmen der Feier bei.
Noch ein paar Zahlen zur den Kosten per 22.04.1999 in DM
Spenden
| 22.609,54
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Ausgaben für Material
| 9.631,73
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Dacharbeiten
| 5.237,40
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Schiefer
| 1.155,88
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Ausfugen
| 116,89
|
Richtfest
| 236,30
|
Gesamt-Kosten
| 16.439,20
|
Überschuss | 6.170,34
|
Davon musste noch das Pflaster die Eingrünung und die Wiederherstellung des Außenbereichs bezahlt werden. Es blieb auch noch eine gute Anerkennung für die Maurer übrig.
Theo Häsel - April 2026
Bericht zum Patronatsfest am 25.04.2026
Das Fest des Schutzpatrons der St. Josef Bruderschaft wird am letzten Samstag im April gefeiert. Im privaten Rahmen kommen Vorstand, Mitglieder und Familienangehörige zusammen. Bei den Vorbereitungen in diesem Jahr beschloss der Vorstand die Gestaltung und den Ablauf zu ändern, da vor 25+2 Jahren die Josefkapelle oder auch Heiligenhäuschen genannt, an der Mittelstraße eingeweiht wurde. Die Kamper Bruderschaft hatte im Jahr 1999 das „Heiligenhäuschen“ in Eigenregie und von Spenden unterstützt mit einer Bauzeit von ein paar Monaten errichtet und zu den damaligen Jubiläumsfeierlichkeiten zum 550jährigen Bestehen der Bruderschaft feierlich eingeweiht. Die Kamper Bruderschaft feierte damals wie auch heute nur in geraden Jahren ein Schützenfest und inthronisiert einen neuen König. Als die Bruderschaft im Jahr 2024 das 575jährige Bestehen feierte konnte das 25jährige der Josefkapelle nicht würdig gefeiert werden. So wurde dies wie es nach Corona üblich wurde zu einem 25+2-jährigen Jubiläum im Jahr 2026 eingeplant.
Die Bruderschaftsmitglieder wurden zum größten Teil persönlich durch die Bezirkskassierer zur Feier eingeladen. Die Kapelle wurde für das Jubiläum noch aufgehübscht, so wurden zuvor Putz- und Malerarbeiten durchgeführt, damit erstrahlt diese nun fast wieder wie neu. Am letzten Samstag im April ab 16 Uhr trafen sich ca. 80 Mitglieder und Freunde an der Kapelle zum Sekt- und Bierempfang. Vor der Kapelle wurden Bänke zum gemütlichen Verweilen aufgestellt. Die Kids und Teens versuchten sich an verschiedenen Spielen, es kam keine Langweile auf. Gegen 17 Uhr startete der Wortgottesdienst und Pfarrer Theodor Prießen hielt eine Predigt, die bei vielen auch ein Schmunzeln in die Gesichter zauberte, als er das Jubiläum mit einer Silberhochzeit eines Ehepaares verglich und aus seinen Erfahrungen aus den Vorbereitungsgesprächen erzählt. Zuvor und dazwischen spielte Frank Bergmann verschiedene Musikstücke mit dem Saxofon und begleitete ebenfalls musikalisch die Kranzniederlegung in Gedenken an die verstorbenen Mitglieder der Bruderschaft. Zuvor durfte das Kamper Königspaar Christian und Marina Hanke die Jubiläumskerze in der Kapelle anzünden. Des Weiteren wurde die neue Silberplakette, welche von den Beiden für die große Königskette gestiftet wird, geweiht und gesalbt. Ein besonderes gemeinsames Gebet wurde zum Abschluss gesprochen bei dem von dem Pfarrer die Werte der Bruderschaften „Glaube, Sitte und Heimat“ hervorgehoben wurden.
Traditionell zeigten unsere Fahnenschwenker*innen die große Kunst der Fesselung und Entfesselung des heiligen Sebastian, dem großen Patron der Schützen.
Anschließend wurde zurückgeblickt, denn der Ehrenbrudermeister Theo Häsel berichtete von Anekdoten rund um die Planungen, den Aufbau und die Einweihung des Heiligenhäuschen. Theo Häsel war zur Bauzeit Brudermeister und sehr aktiv beim Aufbau beteiligt. Leider sind in der Zwischenzeit schon viele Mitglieder verstorben, die damals beteiligt waren, doch für die Angehörigen war es schön, dass auch diese namentlich erwähnt wurden. Beim Zuhören des Vortrages konnte man sich gut vorstellen, mit welchem Engagement die Kapelle damals gebaut wurde.